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Wie Nadeln im Sturm

25. April 2020 ·

Fortsetzungsroman von Silke S. Bischoff


Kapitel fünf


»» Kapitel vier verpasst? ««

Dürfen wir reinkommen?«, fragte die Beamtin.
»Ist was passiert?« Margot war kreidebleich. Dieter! Schoss ihr im ersten Moment durch den Kopf.

Ihm ist etwas zugestoßen.

»Es geht um ihren Sohn.« „Wie bitte? Um welchen?«

Die Beamten tauschten einen kurzen Blick aus. »Um Jakob. Es liegt eine Anzeige gegen ihn vor. Er wird verdächtigt, gestern Nachmittag im Hunters ein iPhone geklaut zu haben. Wir haben Videomaterial, die ihn eindeutig identifizieren. Und…naja.« die Beamtin stockte einen kurzen Moment. Dann sprach sie weiter. »Es ist ja leider nicht das erste Mal, dass der Junge in dem Laden etwas mitgehen lassen hat.«

Margot stand wie angewurzelt an der Tür.

Nicht schon wieder. Bitte nicht schon wieder…

Sie erinnerte sich, wie Jakob vor drei Jahren einmal heulend nach Hause kam und ihr beichtete, dass er bei dem Versuch, ein Computerspiel heimlich mitgehen zu lassen, erwischt wurde. Kurz vor dem Ausgang wurde er vom Kaufhausdetektiv gestoppt, der umgehend die Polizei rief.
Damals kam es nicht zu einer Anzeige, da Jakob noch nicht strafmündig war. Aber Dieter war außer sich gewesen, als er davon erfuhr und gab Jakob vier Wochen Hausarrest, was Margot für ein wenig übertrieben hielt.

Doch ihr Sohn versprach damals hoch und heilig, dass so etwas nie wieder vorkommen würde.

»Frau Gering? Ist alles in Ordnung?« Margot versuchte sich zusammenzureißen. «Ja. Alles ok.«

»Ist ihr Sohn zuhause?« Es war das erste Mal, dass sich der Beamte zu Wort meldete. Er hatte ein strenges kantiges Gesicht. Als Kind hätte Margot sicherlich Angst vor ihm gehabt. Er war etwa 50 Jahre alt, trug eine Brille und hatte nur noch wenige schwarz-graue Haare auf dem Kopf.

»Hören Sie«, sagte Margot, »es ist grad ein ungünstiger Zeitpunkt. Wir…ich….mein Mann…« sie brach ab. Was kommt als nächstes? Reicht es nicht langsam mal mit den Hiobsbotschaften?

»Frau Gering, ich fürchte, wir müssen Jakob kurz mit aufs Revier nehmen.«


Nachdem Dieter eingecheckt hatte, entschied er sich dazu, sich ein Bad einzulassen. Er verzichtete darauf, seine Klamotten in den Schrank zu packen, da er nicht vorhatte, länger als eine Nacht im Hotel zu bleiben.

Ursprünglich hatte er geplant, für einige Zeit bei seinem alten Schulfreund Hartmut unterzukommen. Zumindest so lange, bis er etwas Neues gefunden hatte. Doch als er gerade auf dem Weg zu ihm war, rief Hartmut an und erklärte ihm, dass er und Ursula, seine Frau, dringend nach Elmshorn aufbrechen müssten, da Ursulas Vater einen schweren Schlaganfall gehabt hätte.

So entschied Dieter sich dazu, die vergangene Nacht in seinem kleinen 79er Renault Alpine zu verbringen und erst heute ein Hotel aufzusuchen.

Wann hatte ich das letzte Mal eine solche Ruhe?, fragte er sich, als er sich in die Badewanne legte. Plötzlich musste er grinsen.

Besser gefragt: Wann hab ich das letzte Mal gebadet? Wir hatten ja nur eine Dusche!

Dieter prustete los. Er lachte laut und lang. Immer als er sich gerade wieder gefangen hatte, erreichte ihn eine neue Welle des Lachanfalls.

Nach 10 Minuten bekam er sich schließlich wieder ein und musste fast erneut anfangen, als er sich die Frage stellte, wann er wiederum zuletzt so herzhaft lachen konnte.

Es war die richtige Entscheidung, Dieter, dachte er und schloss die Augen.


Kapitel sechs von »Wie Nadeln im Sturm« lesen Sie in der nächsten Ausgabe.


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