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Filmkritik: „Bevor ich ja sage“ von Filipovic Wantolovic


Berlin (EZ) | 31 Jahre musste die Kinogemeinde auf das neueste Werk von Kult-Regisseur Filipovic ‚Darkonovitci‘ Wantolovic ( „Endzeit“, „Das Blühen der Zwiebel“) warten. Nun hatte „Bevor ich ja sage“, der neue Film des tschechischen Ausnahmetalents, in Berlin seine Deutschlandpremiere.

Und die lange Wartezeit lohnt sich: Wieder einmal ist Wantolovic ein Streifen gelungen, der in die Annalen der Kinogeschichte eingehen dürfte. Viele Kritiker waren nach seinem letzten Werk, dem phänomenalen „Dich trage ich nach Lissabon“ von 1987 mit Anthony Quinn und Marlon Brando in den Hauptrollen, der Ansicht, dass es davor und danach nie wieder einen Film von ähnlicher Wirkung geben würde.



Auch Wantolovic selbst war ja bekanntlich dieser Meinung. „Dass ich heute hier stehe und einen Film präsentieren kann, hätte ich selbst nicht mehr für denkbar gehalten“, so der 89-jährige gestern bei der Premiere. „Sicherlich gab es Angebote und Projekte, aber alles wäre ein großer finanzieller Rückschritt für mich gewesen.“

Wantolovic, den seine Fans nur „Der Große“ (in Anlehnung an König Filipovic IX (967 – 1002), genannt Der Große) nennen, ist sichtlich stolz auf sein neuestes Produkt. „Diesmal war ich sogar an den Dreharbeiten beteiligt. Bei ‚Bevor ich ja sage‘ –
und darauf bin ich besonders stolz – kommt sogar die Idee zu dem Film von mir.“

Der Inhalt des Filmes ist schnell erklärt: Maria (hinreißend: Elená Trisovça), die ledige Tochter des Teppichhändlers Marek Tuçka (Årturi Haakedefuuk), beschließt, ihrem sinnlosen Leben in der slowenischen Provinz zu entfliehen und zieht alleine nach Prag. Dort lernt sie den verheirateten Stipe (Juri Kivoritc) kennen, einen ehemaligen Staatsbeamten, der nun als Busfahrer arbeitet. Maria ist von Stipes Charme sofort hin und weg.

Doch einer gemeinsamen Zukunft steht leider Stipes zweite Ehefrau (Magdalena Tetewociç) im Weg. Da entsinnt sich Maria ihrer traditionellen Herkunft und beschließt, ihren Vater und ihre drei Brüder (wunderbar: die Brüder Bronko, Trkwino und Zkowimir Wantolovic) um Hilfe zu bitten. Die zögern nicht lange und sehen es als ihre familiäre Pflicht an, mit ihrem Waffenarsenal und einem alten Škoda nach Prag zu fahren und in einer unglaublichen Gewaltorgie, die im Film nicht weniger als 67 Minuten dauert, die Interessen des jungen Paares zu schützen. Dass am Ende bei weitem nicht nur die Ehefrau von Stipe gestorben ist, ist ein netter Nebenstrang des Filmes, der nie in pure Sensationsgier verfällt; wirklich keiner der 47 getöteten Tschechen – Wantolovics Verachtung für seine Landsleute ist ja mittlerweile legendär – verdient das Mitleid des Publikums.

„Bevor ich ja sage“ ist ein meisterlicher Liebesfilm gewurden, mit womöglich einer der schönsten Aktszenen des modernen europäischen Kinos: wie die drei Brüder in guter slawischer Tradition das junge Brautpaar – Maria und Stipe – in der Nacht vor ihrer Hochzeit entjungfern, ist sensationell mit der Kamera eingefangen. Ohne zu viel verraten zu wollen: Auch der anschließende Auftritt des Vaters und des Bürgermeisters
(Klaus Maria Brandauer), die der Tradition des Dorfes folgend das Monatsblut der Braut dem jüngsten Dorfbewohner zu trinken geben, ist die volle Aufmerksamkeit wert.

Action: √√√√√√
Spannung: √√√√√
Erotik: √√√
Anspruch: √√√

Gesamtwertung: √√√√√

Bevor ich ja sage, SLO/CZR 2018.
Regie: Filipovic Wantolovic; mit Elená Trisovça, Årturi Haakedefuuk, Magdalena Tetewociç, u.a.
Laufzeit: 119 Minuten

FSK 0, seit Donnerstag im Kino

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