Weil Merkel nur seinetwegen Kanzlerin ist: Horst Seehofer erhält zahllose Hassmails

3. Juli 2018 ·

Berlin/München (EZ) | 3. Juli 2018 | Diese Äußerungen dürfte er jetzt bitter bereuen: CSU-Chef Horst Seehofer hat im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung geradezu damit geprahlt, dass er Angela Merkel zur Kanzlerin gemacht hat. Nun sieht er sich dem Hass von Teilen der Bevölkerung ausgesetzt. 

Im Zuge des wochenlangen Disputs mit der Bundeskanzlerin (wir berichteten) ließ sich Bundesinnenminister Horst Seehofer am gestrigen Montag – einem ohnehin sehr emotionalen Tag – zu Sätzen hinreißen, die ihm nun sehr viel Ärger einbringen. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung gab er zu, dass er es war, der Merkel überhaupt die Kanzlerschaft ermöglichte.



„Ich lasse mich nicht von einer Kanzlerin entlassen, die nur wegen mir Kanzlerin ist“, sagte er unbedarft und offenbar ohne sich der Gefahren dieses Satzes bewusst zu sein (sueddeutsche.de). Seehofer, der als Innenminister ohnehin unter ständigem Personenschutz steht, wird seitdem noch schärfer bewacht.

Im Büro des CSU-Chefs sammeln sich bereits tausende Briefe von besorgten Bürgern, die ihn nun persönlich für Angela Merkels Kanzlerschaft zur Rechenschaft ziehen wollen – und das in teils drastischen Worten. „Dazu kommen hunderte Anrufe, Mails und natürlich Postings in den sozialen Netzwerken, die Herrn Minister Seehofer scharf angreifen“, berichtet ein Büroangestellter des Ministeriums. „Die Telefone stehen nicht mehr still.“

Seehofer wird darin meist ein „langsamer, qualvoller Tod“ gewünscht – „und das ist noch nett ausgedrückt, die meisten schreiben oder brüllen üble Beleidigungen.“ Der Vorwurf lautet allerdings übereinstimmend, Seehofer habe sich des Landesverrats schuldig gemacht, indem er Merkel ins Kanzleramt hievte.



„Der Hass ist grenzenlos“, heißt es in einem internen Lagebericht. „Eine solche geballte Hetze hat es im Innenministerium noch nie gegeben“, schreiben die Sicherheitsbeamten.

Aus seinem Umfeld ist zu hören, dass Seehofer die Sätze bereits kurz nach Veröffentlichung bereute, wohl in Vorahnung dessen, was nun folgen würde. „Die Ehrlichkeit hätte ich mir ersparen sollen“, wird er zitiert.

(JPL/Foto: csu.de)

 

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