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Keine GroKo-Abstimmungsunterlagen erhalten: AfD-Mitglied wittert Verschwörung


Berlin (EZ) | 20. Februar 2018 | Ist es nur eine Panne oder Vorsatz? Hermann Schuster, AfD-Mitglied im thüringischen Ilmenau, hat noch keine Unterlagen bekommen, mit denen er sich für oder gegen eine weitere Große Koalition aussprechen kann.

Zunächst wunderte sich Schuster nur, dass er in seinem Briefkasten noch nicht die umfangreiche Post aus Berlin vorfand. „Gutmütig, wie ich bin, dachte ich erstmal natürlich: Ja, die Post. Die ist halt manchmal etwas langsam hier in Ilmenau“, sagt der gutbürgerliche Angestellte. „Aber jetzt habe ich überall gelesen, dass schon sehr viele Menschen ihre Unterlagen zugeschickt bekamen.“ Da wurde er erstmals stutzig.



„Ich schaute mich in meinem AfD-Ortsverband um und siehe da: keiner von denen hat die Abstimmungsunterlagen bekommen! Nicht einer!“ Das könne, so Schuster, kaum mit rechten Dingen zugehen: „Ich vermute doch ganz stark, dass wir als AfD mal wieder absichtlich außen vor gelassen werden!“

In den einschlägigen Foren der AfD wird nun eifrig diskutiert. Immer mehr Betroffene aus allen Teilen des Landes melden sich, die ebenfalls keine Unterlagen bekommen haben. Im Netz ist man sich einig: die Regierung unter Merkel duldet keinen Widerspruch, die Große Koalition soll auf Gedeih und Verderb durchgesetzt werden. „Deswegen“, so Schuster, „sollen kritische Stimmen wie die der AfD-Mitglieder natürlich gar nicht erst zu Wort kommen!“ Schließlich seien sie die einzigen, die sich noch trauten, die Wahrheit zu sagen. „Klar, das will Mutti natürlich auf jeden Fall vermeiden!“ Für ihn sei klar, dass praktisch jeder aus der AfD gegen die neue „GroKo“ stimmen wird. „Und das weiß auch die Regierung.“

Erboste Anfragen von Schuster und anderen AfD-Mitgliedern blieben bislang unbeantwortet. „Ich habe dem Bundeswahlleiter einen förmlichen Brief geschrieben, die Vorlage habe ich online gestellt, damit auch andere Betroffene ihren Unmut zum Ausdruck bringen können“, sagt er. „Aber eine Reaktion haben wir noch nicht bekommen.“ Dabei rennt die Zeit: bis zum 2. März müssen die ausgefüllten Unterlagen abgeschickt sein.

Was Schuster und andere einfache Parteimitglieder besonders hart aufstößt: aus ihrer Parteispitze gibt es noch kein Wort des Protestes gegen diese Ausgrenzung am demokratischen Prozess. „Es ist wahrscheinlich so, wie viele von uns vorher befürchtet haben. Die sitzen jetzt schön im warmen Bundestag und wurden schon vom System korrumpiert. Sehr, sehr traurig.“ Neuwahlen würden auch die Sitze von Alice Weidel, Alexander Gauland und Beatrix von Storch gefährden.

(JPL)

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