Verarmter griechischer Premier lädt sich im Ausland selbst zum Essen ein

10. Juni 2015 ·

Alexis Tsipras wartet auf den nächsten Gang. Hier in Moskau.
Alexis Tsipras wartet auf den nächsten Gang. Hier in Moskau.

Berlin/Brüssel/Paris (EZ) | 10. Juni 2015 | Während sein Land darbt und leidet, lädt sich der schuldengeplagte griechische Ministerpräsident bei ausländischen Regierungen selbst zum Essen ein. Heute zum Beispiel soll er im Kanzleramt angefragt haben, was es „denn morgen zu Mittag“ gebe.EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker geht die „Bettelei“ von Alexis Tsipras schon zu weit. „Seit Januar war er praktisch alle zwei Wochen hier und hat sich durchgefressen“, so der Luxemburger. „Ich dachte, während des Essens könnte man vielleicht auch mal über Griechenlands Probleme sprechen – aber nein!“ Nach dem Dessert habe sich Tsipras immer die Reste einpacken lassen – „für seine Frau, die Kinder und das Kabinett in Athen“ – und sei in die nächste Hauptstadt weitergezogen.

Das ganze begann nach der Wahl Tsipras‘ Ende Januar zum Ministerpräsidenten. Gleich am nächsten Tag habe er sich in Berlin und Paris blicken lassen und sich und seine hundertköpfige Delegation über den ersten Hunger hinweggerettet. In Athen sei Tsipras selten zu sehen, heißt es aus der immer wütender werdenden griechischen Presse, die das Verhalten ihres Regierungschefs „peinlich“ findet.



Inzwischen ist Tsipras auch bei der Bundeskanzlerin nicht mehr gern gesehen. Ob Angela Merkel ihn morgen zum Essen empfängt, ist zur Stunde noch fraglich. „Ihn ganz auszuladen, wie Jean-Claude Juncker es nun getan hat, geht auch nicht so einfach,“ sagt das Bundespresseamt. „Wir können einen ausländischen Würdenträger nicht einfach vor die Tür setzen und hungern lassen. Wie sieht das denn aus?“ Man überlege stattdessen, ihm Essensmarken zu geben.

Gefrühstückt hat Tsipras mit seinem scheinbar immer größer werdenden Beratungsstab heute morgen bei einem Überraschungsbesuch in Paris. „Aber mittlerweile fragen sich auch die europäischen Steuerzahler, warum sie plötzlich für das leibliche Wohl der griechischen Regierung aufkommen müssen,“ sagte ein Sprecher der CDU-Fraktion. Für heute ist er versorgt, aber was soll er morgen essen? Und übermorgen?“

Zu einem handfesten Streit kam es zwischen Alexis Tsipras und seinem Finanzminister Yannis Varoufakis vor einem Monat. Varoufakis war häufig als Verhandlungsführer seiner Regierung bei Tagungen in Brüssel, wo es die beste Küche geben soll. Tsipras soll geschäumt haben, als er hörte, dass er mit „billigem deutschen Essen“ abgespeist werde, während „Yannis es sich gut gehen“ lasse. Seitdem sieht man Varoufakis nur noch selten im Ausland.



(JPL/Foto: „Alexis Tsipras in Moscow 1“ von Kremlin.ru. Lizenziert unter CC BY 3.0 über Wikimedia Commons.)

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