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Aus Angst vor Anschlägen: Kitas verbieten Kindern den Gebrauch von Stiften und Papier

9. Januar 2015 ·

Ein harmloses Bild von einem Mädchen oder doch eine Karikatur des Propheten Mohammed? Um solche Missverständnisse zu vermeiden, ist das Malen in vielen deutschen Kitas zukünftig verboten.
Ein harmloses Bild von einem Mädchen oder doch eine Karikatur des Propheten Mohammed? Um solche Missverständnisse zu vermeiden, ist das Malen in vielen deutschen Kitas zukünftig verboten.

Köln (EZ) | 9. Januar 2015 | Etliche Kitas in Deutschland haben damit begonnen, Stifte und Papier aus ihren Einrichtungen zu verbannen. Grund ist die zunehmende Gefahr, die nach Ansicht vieler Erzieher von diesen Gegenständen ausgeht. Viele fürchten, dass die Kinder nicht genügend darauf Acht geben, was sie malen und mit ihren Zeichnungen Anschläge riskieren.

Zwei Tage nach den Anschlägen auf die französische Satirezeitschrift Charlie Hebdo steht die Welt unter Schock. Doch während die Mehrheit der Menschen sich von den Taten nicht einschüchtern lässt und u.a. über soziale Netzwerke demonstrativ für die Meinungsfreiheit eintritt, fürchten vor allem viele Kitas um die Gefahr, die von den Zeichnungen einiger Kinder ausgehen kann.

Jutta H., Heimleiterin einer Kindertagesstätte in Köln, berichtet, dass sie immer wieder Bilder von Kindern geschenkt bekomme, die provozieren und viel Raum für Interpretationen geben. Sie erinnert sich an eine Zeichnung von einem Vierjährigen, der den Lieben Gott malte und dieser einen schwarzen Bart und eine Schirmmütze trug. „Wenn dieses Bild in die falschen Hände kommt, dann möchte ich aber nicht hier sein“, so die Heimleiterin verängstigt.

Ähnlich äußerte sich eine Kollegin, die ihren Namen aus Furcht vor Terroristen nicht nennen möchte. „Kinder denken einfach nicht darüber nach, was sie da malen. Das kann lebensgefährlich sein!“ Erst gestern hätte ihr ein 6-jähriges Mädchen ein Bild von dem Propheten Mohammed in die Hand gedrückt und daneben stand in Großbuchstaben das Wort „DOF“.
„Ich habe die Zeichnung natürlich umgehend vernichtet und die Eltern benachrichtigt.“

Mit dem Malverbot hoffen viele Kitas nun, sicher vor Terroranschlägen zu sein. Statt zum Stift, sollen die Kinder zukünftig lieber zu Puppen, Legosteinen und Plastikschwertern greifen.

(JPL/Bild: Siggy82 – Laura, 3 Jahre alt [Lizenziert unter CC BY-SA 3.0])


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