Weil er seit einem Jahr nicht mehr richtig arbeiten kann: Lippenleser schult auf Maskenleser um

6. Mai 2021 ·

Das professionelle Lippenlesegeschäft musste durch die Corona-Pandemie und die damit einhergehende Maskenpflicht erhebliche Umsatzeinbußen in Kauf nehmen.

Bonn (EZ) | 06. Mai 2021 | Ein Mann aus Bonn, der bisher als professioneller Lippenleser sein Geld verdiente, musste coronabedingt eine Umschulung machen. Seitdem arbeitet er als Maskenleser.

Daniel Schaper arbeitete 20 Jahre lang erfolgreich als Lippenleser. Seine Auftraggeber: Detektive, Privatleute, aber auch Geheimdienste und große Wirtschaftsverbände. Doch durch Corona wurde alles anders.



»Bisher bestand mein Job vor allen Dingen darin, aus einer größeren Distanz die Lippenbewegungen von Menschen zu beobachten und zu analysieren«, so der 46-Jährige. »Doch seitdem praktisch überall Maskenpflicht an nahezu jedem Ort besteht, kann ich meine Arbeit nicht mehr korrekt ausführen.«

Zunächst habe er sich noch Nischen gesucht, in denen Menschen keine Maske benötigten. »Doch irgendwann wurde die Pflicht ja ausgeweitet und selbst im Freien läuft mittlerweile kaum noch jemand ohne einen Mund-Nasen-Schutz herum.«

Da ihm die Auftraggeber wegbrachen und er um seine berufliche Existenz fürchtete, entschloss sich Schaper schließlich dazu, eine Umschulung zum Maskenleser zu machen. Die Ausbildung ging knapp zwei Monate und beinhaltete eine theoretische und praktische Abschlussprüfung.



Nach erfolgreichem Bestehen arbeitet Daniel Schaper nun als professioneller Maskenleser. Im Vergleich zum Lippenlesen sei dies deutlich komplizierter. »Man muss sich auf die Augen und gleichzeitig auf die Bewegungen der Falten an der Maske konzentrieren. Es ist am ehesten zu vergleichen mit Stenografie. Man erkennt keine einzelnen Worte mehr, man muss sich auf den Gesamtkontext konzentrieren. Dann klappt es.«

Dennoch hofft Schaper auf ein baldiges Ende der Pandemie, denn durch die Masken offenbarte sich noch ein ganz anderes Problem: »Es kam leider jetzt schon mehrfach vor, dass ich das falsche Objekt beobachtet habe, weil ich kaum noch die Gesichter erkennen kann und wen ich da eigentlich decodieren soll«, so der 46-Jährige abschließend.

(JPL/Foto: By Edgar Gutierrez V –Own Work, CC BY-SA 4.0, Link )

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