Wie Nadeln im Sturm

Fortsetzungsroman von Silke S. Bischoff


Kapitel vier


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Dieter stand da wie angewurzelt. Er starrte einfach nur, er schien gar nicht richtig da zu sein. War es das wert, fragte er sich. Ist es das wert gewesen?



»Das macht dann sieben Euro, bitte.«

Ich kann doch meine Kinder nicht alleine lassen. Oh nein, Lukas hat am Wochenende seinen großen Auftritt! Ich muss doch zu Lukas!

»Sieben Euro, bitte!«



Ach Margot, was ist nur aus uns

»Hallo! Ihre Zigaretten! Sieben Euro macht das!« Der junge Mann hinter dem Tresen an der Tankstelle schien ungeduldig zu werden. »Wollen Sie die nun haben oder nicht?« Dieter schmunzelte. Er, der er vor fast 20 Jahren aufgehört hatte zu rauchen, kauft sich nun wieder eine Packung französicher Zigaretten. »Ja, sicher, die nehme ich.«

Im Auto zündete er sich seine erste Zigarette seit so langer Zeit an.

Ich hätte nicht gedacht, dass man das verlernen kann. Dieter hustete und musste darüber lachen. Wie ein Teenager, Dieter!

Auf der Rückfahrt dachte er an die harte letzte Zeit. Es ging einfach nicht mehr. Margot hatte sich verändert. Wo war das humorvolle Mädchen geblieben, in das er sich damals verliebte? Sie war hart geworden. Oft genug stritten sie über Unwichtiges- und plötzlich mochte sie keinen Rotkohl mehr, den sie sonst so sehr geliebt hatte.

Ja Herrgott noch mal! Woher sollte ich das denn wissen? Nur eine Freude wollte ich ihr machen, ich wollte doch nur zeigen, dass ich an sie denke!

Dieter ertappte sich dabei, wie ihm Tränen über die Wangen liefen. Er fuhr rechts an den Straßenrand und stellte den Motor aus.


Besuch? Um diese Zeit?

Margot lief zur Tür.

Vielleicht ist es ja…?

Es klingelte wieder.

Oh ja, das ist bestimmt Dieter!

Kommt er wieder, um sich zu entschuldigen? Nein, das kann nicht sein. Er ist doch so stur, mein Dieter.

Margot öffnete die Tür. Es regnete. Vor der Eingangstreppe standen zwei dunkel gekleidete Menschen, offenbar ein Mann und eine Frau. Erst beim zweiten Blick erkannte Margot, dass sie Uniformen trugen und ihre Mützen in den Händen hielten.

»Frau Geringer?«, fragte die Beamtin.

Margot war plötzlich speiübel. Polizei?


Dieter fasste sich nun endlich wieder. Die Schachtel war schon fast leer. Er stellte den Motor an. Es hatte zu regnen begonnen während er hier stand. Er überlegte, wo er jetzt hinfahren soll. Am Stadtrand gibt es ein kleines Hotel. Er hatte die ganze Nacht im Auto verbracht. Jetzt würde es Zeit für ein Bett.

Das kann ich mir doch mal anschauen…


Kapitel fünf von »Wie Nadeln im Sturm« lesen Sie in der nächsten Ausgabe.


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