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Wie Nadeln im Sturm

4. April 2020 ·

Fortsetzungsroman von Silke S. Bischoff


Kapitel zwei


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Das soll also das Beste für sie sein? Ein Leben ohne ihn? Nach allem, was sie gemeinsam erlebt hatten, soll die Trennung nun das Beste sein? 

Für wen? 

Margot konnte es noch immer nicht glauben. Dieter hatte das Haus verlassen. Nein, überraschend kam es nicht. Die vielen Abende, die Dieter lieber mit seinen Arbeitskollegen verbrachte. Die Ausflüge, die er mit den Kindern unternahm – allzu oft war Margot nicht dabei.

»Lass mich mit den Jungs das Wochenende alleine verbringen«, hatte er gesagt. »Sie sehen mich so selten.« Ja, er war schwer beschäftigt in der letzten Zeit. Die Firma stand mit dem Rücken zur Wand, Überstunden folgten auf Überstunden, die Wochenenden wurden kürzer und die Tage länger. Schließlich die ersten Entlassungen. Nein, Dieter hatte es nicht leicht. Angst aber zeigte er nicht. 

»Das wird schon, Margot«, hatte er versichert. Doch in ihm wuchs die Furcht, eines Tages auch ins Büro seines Vorgesetzten gerufen zu werden. Die Furcht, dass es dann nicht um seine Bereichszahlen gehen könnte…

Aber er war tapfer, er ließ sich zuhause nichts anmerken. Nur Margot ahnte, wie es in ihm aussah. 

»Aber ich sehe dich auch selten«, sagte sie einmal zu ihm. Dieter antwortete nicht. Lukas kam ins Wohnzimmer, freudestrahlend wie immer, denn sein Papa war ja von der Arbeit gekommen. »Papi, Papi!«, rief er. Dieter hob ihn hoch, warf ihn in die in die Luft und Lukas gluckste vor Glück. »Du musst doch schon längst im Bett sein«, sagte er zu Lukas. »Papi, ich will noch nicht. Ich will mit dir spielen!« Dieter sagte wieder kein Wort. Er streichelte Lukas über den Kopf und ging ins Bad. Margot sah, wie seine Miene sich verzog, wie er seine Tränen kaum zurück halten konnte, wie er vor seinen Gefühlen floh. 

Nein, die Trennung kam nicht überraschend. Margot sah zur Weinflasche auf dem Tisch vor ihr, überlegte, sich noch ein Glas zu nehmen, nur noch ein einziges Glas, dann wollte sie schlafen. Endlich Ruhe haben. Aber wie sollte das gehen? Sie dachte an ihren Mann. Und lachte bitter in sich hinein. »Ich meine natürlich meinen Ex-Mann...«

Die Zeit verging. Margot überlegte. Sollte sie ihn anrufen? Würde er überhaupt rangehen? Sie könnte von einer Telefonzelle aus anrufen, dann sähe er ihre Nummer nicht…

In dem Moment wurde Margot von Lukas überrascht. »Mami…«, sagte er. Ach Lukas!, dachte Margot. Du bist so ein toller Junge!

Er nahm sie wortlos in die Arme und drückte seinen Stoff-Löwen an ihre Brust. Er merkte genau, dass es ihr schlecht ging. »Wenn ich traurig bin, hilft mir mein Brülli immer.« Margot war den Tränen nahe. »Lukas«, sagte sie, »es ist spät. Komm, wir gehen schlafen.«


Kapitel drei von »Wie Nadeln im Sturm« lesen Sie in der nächsten Ausgabe.


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