Erhielt Nobelpreis für korrekte Steuererklärung: Finanzgenie Manastraham ist tot

22. Juni 2019 ·

Nanjuhlyie Harambele Diranagya Manastraham, hier auf einem Foto von 1997. Zuletzt hielt der gebürtige Inder einen fünfwöchigen Vortrag über das deutsche Fiskalsystem.

Berlin (EZ) | Nanjuhlyie Manastraham ist tot. Der Verlust des gebürtigen Inders, der 1988 den Nobelpreis für eine korrekt ausgefüllte deutsche Steuererklärung erhielt, stellt die Bunderepublik vor große Probleme. Er galt als einer der drei einzigen noch lebenden Menschen weltweit, die das deutsche Steuersystem verstanden hatten.

Er war einer der profiliertesten Ökonomen der Welt: am gestrigen Abend ist Manastraham in Berlin einem Krebsleiden erlegen, er wurde 93 Jahre alt. Bis zuletzt war er als Berater und Ausbilder für die Bundesregierung tätig.



Der 1926 in der Nähe Delhis geborene Wirtschaftswissenschaftler promovierte bereits im Alter von 20 Jahren an der Universität von Lahore. In den 1960ern emigrierte er nach Deutschland und nahm eine Professur an der Universität Heidelberg an. Schnell wurde die Bundesregierung auf seine Fähigkeiten und seinen Intellekt aufmerksam. Manastraham nahm 1973 die deutsche Staatsbürgerschaft an und wurde Beamter im Finanzministerium.

Der Ökonom wurde seit Bekanntwerden seiner schweren Krebserkrankung 2001 in einem eigens für ihn freigeräumten Flügel der Berliner Charité mit allen Mitteln der Medizin am Leben erhalten. Mehrere Stunden am Tag gab der pflichtbewusste Inder sein umfangreiches Wissen an jüngere Finanzbeamte weiter und sorgte so für die Zeit nach seinem Ableben vor.

Noch wenige Stunden vor seinem Tod beendete er das erste Kapitel seines aus 24 Bänden und 139 Kapiteln bestehenden Buches über die Versteuerung von Einnahmen aus Kapitalgewinnen bei spekulativen Aktiengeschäften in Belgien. Nun wird das Werk, an dem er seit 1995 gearbeitet hatte, vermutlich niemals vervollständigt werden können.



Manastraham wird am kommenden Mittwoch in seiner Heimat beigesetzt.

Nun sind nur noch zwei Menschen am Leben, die das deutsche Steuersystem zumindest ansatzweise begriffen haben. Sie befinden sich an geheimen Orten und werden vor der Öffentlichkeit versteckt, um sie keinen Risiken auszusetzen. Beide sind aber auch schon über 90 Jahre alt – gemeinhin das Mindestalter, um genug Wissen über die Materie anzusammeln.

(BSCH)

Dieser Artikel erschien zuerst im Jahre 2015.

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