Unerwünschter Beifang: Mittelmeerfischer fordern EU auf, Flüchtlingen Landwege zu ermöglichen

13. Juni 2019 ·

Noch sind sie im Boot.

Mittelmeer (EZ) | Vor allem in den Gewässern zwischen Libyen und Italien erleben Fischer immer öfter, dass ihre Netze neben Thunfisch, Wolfsbarsch und Meerbrasse auch Flüchtlinge aus dem Wasser ziehen. Vielen reicht es jetzt. 

„Es kann doch nicht so schwer sein, den Flüchtlingen einen Weg nach Europa zu ermöglichen, der uns nicht die Fänge versaut“, beschwert sich Jùan Sanchez, Fischer in vierter Generation. Praktisch kein Tag vergehe, so der 44-Jährige, ohne dass er nicht mindestens einen Flüchtling mit herauszieht. „Da denkt man, ‚Mensch, das ist aber ein fetter Fang heute‘ – und dann ist aber die Hälfte des Netzes voll mit Mensch.“



Nicht nur, dass der Beifang sein Gerät kaputt macht, regt ihn auf. Auch die Mehrarbeit bringt ihn auf die Palme. „Ich muss ja Fisch fangen. So einen Flüchtling kann ich nicht verkaufen!“

Sanchez hat sich deswegen mit anderen Betroffenen aus dem Mittelmeerraum zusammengetan und der EU einen offenen Brief geschrieben. „Wir fordern die Mitgliedsstaaten auf, endlich ihre verdammte Pflicht zu erfüllen und das Mittelmeer flüchtlingsfrei zu halten“, heißt es darin.

Flüchtlinge – und überhaupt Menschen ohne seetaugliche Boote – hätten in den allermeisten Teilen der See nichts zu suchen, das müsste eigentlich jedem klar sein. „Wir müssen immer alles ganz genau befolgen: Fangquoten, Netzdichte, alles. Kleinste Vergehen werden empfindlich geahndet. Aber Flüchtlinge kann man einfach hier straffrei abladen, ja?“



Die Fischer wünschen sich, dass die Menschen am besten ihren angestammten Lebensraum gar nicht erst verlassen müssten. „Wasser ist einfach nicht richtige Umgebung. Dafür sind wir nicht gemacht. Die Politik sollte Landwege ermöglichen. Und die Nutzung von Bussen und Autos.“ Denkbar wären auch Flugzeuge.

Der Brief schließt mit einem Appell: „Auch Tschechen, Polen und Ungarn wollen unseren Fisch essen. Also kümmert Euch!“

(JPL/Foto: By Mstyslav Chernov/UnframeOwn work, CC BY-SA 4.0, Link)

Dieser Artikel wurde erstmals im Juni 2018 veröffentlicht.

  • Schlecht (37)
  • Sehr schlecht (56)
  • Hundsmiserabel (171)
  • Mir egal (1394)
  • Ich will nicht auf einen dummen Button klicken (390)

Diesen Beitrag bezahlen

Sie können den Artikel, den Sie gerade gelesen haben, jetzt bezahlen. Abgewickelt wird unkompliziert über Paypal, es gibt aber noch andere Zahlungsmethoden (SEPA und Kreditkarte bspw.). Ihr Geld landet übrigens bei einem seriösen Verlag, nämlich beim Seriösen Verlag.



Next Post

Bundesgerichtshof entscheidet: Keine Fahrradpflicht für Helmträger

Karlsruhe (EZ) | Wer auf Deutschlands Straßen unterwegs ist und einen Helm trägt, ist nicht verpflichtet, ein Fahrrad mit sich zu führen. Das entschied der Bundesgerichtshof (BGH). Anlass war die Klage eines Mannes, der mit einem Helm auf dem Kopf…
Read
Previous Post

Trump beeindruckt bei Besuch in London mit Grundkenntnissen der Landessprache

London | 3. Juni 2019 | Seit heute befindet sich der amerikanische Präsident Donald Trump in Großbritannien. Während des Staatsbesuchs wird er zahlreiche Amts- und Würdenträger des Vereinigten Königreichs treffen. Dabei überrascht er Freund und Feind mit rudimentären Sprachkenntnissen. "Zwar…
Read
Random Post

Interessenskonflikte vermeiden: Trump übergibt Präsidentschaft an seine Söhne

New York (EZ) | 12. Januar 2017 | Damit hat niemand gerechnet. Donald Trump, designierter US-Präsident, überraschte gestern mit seiner Ankündigung, die Präsidentschaft an seine Söhne zu übertragen. Er selbst wolle lieber weiterhin seine Unternehmen leiten, als sich dem Vorwurf…
Read
Random Post

Referendum ungültig: Griechenland stimmte versehentlich über Homo-Ehe ab

Athen (EZ) | 6. Juli 2015 | Die gestrige griechische Volksabstimmung ist ungültig. Wie heute bekannt wurde, haben die Griechen nicht über die Sparauflagen der EU abgestimmt, sondern sich mit knapp 62 Prozent für ein Nein zur Homo-Ehe entschieden. Schuld…
Read
Random Post

Kein Bedarf mehr: deutsche Stimme von Robin Williams muss gehen

Köln (EZ) | 6. Oktober 2014 | Nach dem Tod von Robin Williams im August war klar: die deutsche Synchronstimme des Amerikaners, Peer Augustinski, wird nicht länger benötigt. Gestern wurde bekannt, dass er nun gehen musste.Am 11. August nahm sich der…
Read
Random Post

»Das war's jetzt aber wirklich für ihn«: Experte sicher, dass Trump nur noch wenige Wochen im Amt sein wird

Der angesehene Poltikexperte Dr. Thomas Heumann von der Universität Düsseldorf war sich schon oft sicher, dass US-Präsident Donald Trump kurz vorm Ende seiner Amtszeit stünde. So prophezeite er u. a. zu Beginn von Trumps Präsidentschaft, er würde schnell über die…
Read