Deutschlands dritt- oder viertgrößtes Satiremagazin

„Übernehme die Verantwortung für alles“ – Neuer Bundesminister für Schuld, Verantwortung und Fehlereingeständnis soll Regierung entlasten

18. Juli 2018 ·

Berlin (EZ) | Die Bundesregierung stellte heute ein neues Ministeramt vor. Der sogenannte Schuldminister soll ab sofort für Fehler der Regierung oder Behörden und sonstige Pannen seinen Kopf hinhalten.

Heute Morgen trat der neue Minister für Schuld, Verantwortung und Fehlereingeständnis, Kurt Wieseking (SPD), an der Seite von Kanzlerin Merkel vor die Mikrofone und stellte sich vor: „Ich übernehme zukünftig die Verantwortung für einfach alles.“

Egal ob es um unrechtmäßige Abschiebungen, um den BER, um die Flüchtlingspolitik oder um Steuern gehe, „ich bin Schuld. Ich ganz allein. Bitte wenden Sie sich mit Ihrem Zorn an mich.“

Bundeskanzlerin Merkel erklärte, die Einführung des neuen Ministeramts wurde notwendig, weil ihr Kabinett „schlichtweg keine Zeit mehr hat, sich permanent zu rechtfertigen, Fehler zu korrigieren und sich zu entschuldigen.“ Die Öffentlichkeit, so Merkel, unterschätze den „ungeheuren Zeitaufwand, sich Entschuldigungen oder Erklärungen auszudenken und dann auch noch vor die kameras zu treten.“

„Wir hätten uns einige Rücktritte in der Vergangenheit ersparen können, wenn wir damals schon den Schuldminister gehabt hätten“, so die Kanzlerin weiter mit Blick auf zu Guttenberg, Wulff, Schavan oder Friedrich. Merkel antwortete auf eine entsprechende Frage, dass sie „überhaupt kein Vertrauen in Kurt Wieseking“ habe und das genau das ihn so perfekt für das Amt mache.

Anschließend verließ die Kanzlerin gut gelaunt die Pressekonferenz („Ich habe nun frei“) und überließ dem neuen Schuldminister Wieseking die Beantwortung der kritischen Fragen der Journalisten, die er professionell mit Sätzen wie „Jaja, das war ebenfalls mein Fehler“ und „Dafür steh ich allein gerade“ beantwortete.

Der Schuldminister erhält ein eigenes Ministerium in Berlin-Marzahn und ist niemandem unterstellt, damit seine Verfehlungen auf niemanden abfärben. Die Große Koalition plant eine Grundgesetzänderung, die dem Schuldminister den Rücktritt von seinem Amt verbieten wird.

(JME/Foto: bearbeitet, von Ralf Roletschek – Own work, GFDL 1.2, via Wikimedia Commons)

Dieser Beitrag erschien erstmals im Mai 2016.


Ihre Meinung zu diesem Beitrag:
  • Schlecht (20)
  • Sehr schlecht (20)
  • Hundsmiserabel (81)
  • Mir egal (10)
  • Ich will nicht auf einen dummen Button klicken (120)
Newer Post

Steuerzahlergedenktag: Heute vor 100 Jahren starb Karlheinz Steuerzahler

München (EZ) | Heute ist Steuerzahlergedenktag. Denn heute vor 100 Jahren starb Karlheinz Steuerzahler, der Erfinder der Steuererklärung. Bundesweit begehen Menschen heute den Steuerzahlergedenktag. Nur die wenigsten wissen, wem genau wir alljährlich gedenken. Karlheinz Steuerzahler wurde 1839 in München geboren. Nach einer…
Read
Older Post

Wegen mangelnder Rechtsstaatlichkeit: Tunesien schränkt Beziehungen zu Deutschland ein

Tunis/Berlin (EZ) | 17. Juli 2018 | Weil die Regierung in Tunis an der Rechtsstaatlichkeit in der Bundesrepublik zweifelt, wird sie die diplomatischen Beziehungen mit Berlin auf ein Minimum reduzieren. Auslöser ist der Umgang mit Sami A., der letzte Woche…
Read
Random Post

"Beleidigung durch ausländisches Staatsoberhaupt": Regierung plant neuen Paragrafen als Reaktion auf Erdogans Tiraden

Berlin (EZ) | 10. Juni 2016 | Seit der Armenien-Resolution vergeht kein Tag, an dem der türkische Präsident nicht übel über deutsche Abgeordnete redet, mitunter auch deutlich unter der Gürtellinie. Da will die Bundesregierung nicht tatenlos zusehen: Sie plant die…
Read
Random Post

Guido Knopp dreht bereits "Putins Helfer" und "Putins Frauen"

Mainz (EZ) | 20. März 2014 | Das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) hat Chefhistoriker Guido Knopp beauftragt, die Filme "Putins Helfer" und "Putins Frauen" zu produzieren. Knopps Firma wird in den kommenden Tagen mit den Drehs beginnen. In einer Pressemitteilung…
Read
Random Post

Nichtangriffspakt: Deutschland bietet Russland Ostpolen an, um Krim-Krieg zu verhindern

Berlin/Moskau (EZ) | 3. März 2014 | Wende in der derzeitigen Krim-Krise: die Bundesregierung hat mit Russland einen Nichtangriffspakt verhandelt. Präsident Putin will auf einen bewaffneten Konflikt verzichten, wenn er dafür den Ostteil Polens erhält. Wieder einmal beweist sich die deutsche Krisendiplomatie:…
Read
Random Post

Richtigstellungen!

Sehr geehrte Leserinnen und Leser, Trotz sorgfältiger Recherche sind uns in der Vergangenheit in der Berichterstattung bedauerlicherweise ein paar Fehler unterlaufen. Um mögliche Prozesse zu vermeiden, sind wir an dieser Stelle aufgefordert, einige Meldungen richtig zu stellen: Am 14. Mai…
Read