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Ein Leben ohne Smartphone – Der Selbsttest

24. April 2018 ·

24 Stunden ohne Handy? Der EZ-Chefredakteur hat's versucht.
24 Stunden ohne Handy? Der EZ-Chefredakteur hat's versucht.

Ein Leben ohne Smartphone – ist so etwas heutzutage überhaupt noch möglich? Wo doch soziale Netzwerke und immer ausgefeiltere Kommunikationstechnologien zunehmend die Welt beherrschen.

Unser Chefredakteur höchstpersönlich wagte einmal den Selbsttest und versuchte, 24 Stunden lang ohne sein Mobiltelefon auszukommen. Das Ergebnis ist so beeindruckend wie armselig.

9:00 Uhr: Das Smartphone und ich wurden unter Aufsicht eines Notars voneinander getrennt. Ich befinde mich in einem wohnzimmerähnlichen Ort: In meinem Wohnzimmer. Das Smartphone, bis vor einigen Jahren noch unter der Bezeichnung „Handy“ bekannt, liegt zwei Räume weiter.

9:01 Uhr: Mir fällt ein, dass ich einem Freund noch eine Nachricht schicken wollte, der mich zu seinem Geburtstag eingeladen hat. Ich greife vor mich – ins Leere. Ich lache kurz auf, dann lehne ich mich wieder zurück in meinen Stuhl.

9:02 Uhr: Ich gucke aus dem Fenster und überlege, wie wohl das Wetter heute ist. Ich denke an meine Wetter-App und greife vor mich – ins Leere. „Ich Idiot“, denke ich amüsiert und lehne mich wieder zurück.

9:03 Uhr: Ich bemerke, wie meine Hände beginnen, feucht zu werden und mein Herzschlag sich beschleunigt. Naja, das Alter, denke ich und grüble über mein Leben nach.

9:04 Uhr: Ich vernehme ein vertrautes Vibrationsgeräusch und verspüre einen Hauch Euphorie. Mein Smartphone? Nein, offenbar nur mein Magen.

9:05 Uhr: Erneut ertappe ich mich dabei, wie ich meinen Arm ausstrecke, um zu überprüfen, ob mir jemand geschrieben hat. Zudem habe ich gerade unglaublich große Lust auf eine Runde Quizduell. Die Gegner warten bereits seit über 5 Minuten!

9:06 Uhr: Wie es wohl meiner Mutter geht? Ich will sie fragen und ein Selfie von mir bei Whatsapp mitschicken. Ich greife vor mich – ins Leere. Ich seufze und lehne mich widerwillig zurück in meinen Stuhl.

9:07 Uhr: Ich bemerke zunehmend eine gewisse Unruhe in mir aufsteigen. Was, wenn ich eine Breaking News verpasst habe? Die EZB senkt den Leitzins und ich bekomme es nicht mit? Ich stelle mir vor, wie die Leiste oben auf meinem Display immer voller wird mit Push-up-Benachrichtigungen.

9:08 Uhr: Für einen kurzen Moment bleibt mein Herz stehen. Strom! Mein Smartphone braucht Strom. Zuletzt wurde es vor zwei Stunden geladen. Ich springe auf, laufe besorgt im Zimmer auf und ab und überlege, wieviel Prozent noch verbleiben bis das gute Stück seinen Geist aufgibt.

9:09 Uhr: Meine Hände zittern, ich schwitze und mein Herz rast immer schneller.

9:10 Uhr: Ich will bei Facebook eine Statusmeldung hinterlassen und von diesem verrückten Experiment erzählen, schreie auf, als ich erneut vor mich ins Leere greife.

9:11 Uhr: ich habe Lust auf ein Bier.

9:12 Uhr: Ob gerade irgendeiner meiner Freunde an mich denkt?

9:13 Uhr: Ich gucke auf meine Hände und ziehe mit meinen Fingern die Linien auf den Handflächen nach. Ein Schweißtropfen löst sich von meiner Stirn und fällt hinab.

9:14 Uhr: Ich stelle mir vor, wie jemand verzweifelt versucht mich anzurufen und womöglich schon die Polizei benachrichtigt hat. Ich will schreiben, dass alles ok ist. Ich greife vor mich – SCHEISSE!

9:15 Uhr: Ich habe Lust auf einen Schnaps.

9:16 Uhr: Ich liege auf dem Boden und winde mich. Ich kann nicht mehr! Vor meinem inneren Auge sehe ich noch einmal alle heruntergeladenen Apps an mir vorbeifliegen.

9:17 Uhr: Ich breche das Experiment vorzeitig ab.

(Foto: Kārlis Dambrāns [bearbeitet; Lizenz: CC BY 2.0])


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