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Stürzt er über #MeToo? Kim Jong-un soll Frauen belästigt haben


Pjöngjang | Es sind schwere Vorwürfe, die im nordkoreanischen People-Magazin 사람들 zu lesen sind: ehemalige Weggefährtinnen von Staatsführer Kim Jong-un behaupten, der 33-Jährige habe sie in der Vergangenheit sexuell belästigt.

Der Aufruhr in der nordkoreanischen Öffentlichkeit ist enorm: ausgerechnet der bisher als gottgleich verehrte Kim Jong-un soll sich mehrfach unsittlich an Frauen herangemacht haben. Diesen Vorwurf erheben gleich drei Frauen, die früher mit dem Staatschef zu tun hatten. Der bestreitet die Behauptungen vehement. Aber in Pjöngjang fragen sich jetzt viele: wie lange kann er sich noch im Amt halten?



In den sozialen Netzwerken zumindest gibt es kaum ein anderes Thema. Diskutiert wird seit gestern, als die neue Ausgabe des Klatschmagazins 사람들 an den Kiosken erschien, nicht mehr vorrangig über die Streitereien mit den USA, sondern über das angebliche Fehlverhalten Kims. Auch das historische Treffen zwischen nord- und südkoreanischen Gesandten wurde von den Vorwürfen der sexuellen Belästigung völlig überschattet.

Die Frauen, die Kim beschuldigen, waren bis vor Kurzem noch in seinem engsten Umkreis tätig. In der Zeitschrift beschreiben sie detailliert, wie Kim sie bedrängte. „Das erste Mal war auf einer Feier nach einem Atomwaffentest“, sagt eine. „Lange dachte ich: naja, es floss halt Alkohol, es gab ja auch einen Grund zu fröhlicher Ausgelassenheit. Da dachte ich mir nichts dabei, als er mir über den Po strich.“ Heute weiß sie, dass das keinesfalls normal sein darf: „Als ich dann die ganze Weinstein-Geschichte auf Twitter und Facebook verfolgte, war mir klar: das kann ich Kim nicht durchgehen lassen.“

Ein schwerer Schritt. Die Gesellschaft in Nordkorea ist traditionell konservativ, solche Anschuldigungen werden selten öffentlich erhoben. Umso mehr verwundert die Reaktion der Presse: Unisono fordern TV-Sender, Radioanstalten und Blogs, Kims Verhalten zu untersuchen. In einem Leitartikel heißt es gar: „Kim, treten Sie zurück!“ Schon sein außenpolitisches Verhalten wäre Anlass genug, den Posten abzugeben. „Haben Sie jetzt den nötigen Anstand!“

Es gibt auch Zweifler, die die Geschichte kritisch sehen. „Das machen die doch nur, weil sie eine Rechnung offen haben mit Kim“, sagt ein Arbeiter in der Hauptstadt. „Ich finde auch nicht alles gut, was der macht – Gesundheitsvorsorge, Infrastruktur, Steuern zum Beispiel. Aber soll das Zufall sein, dass die drei ausgerechnet jetzt an die Medien gehen, wo gerade ihre Familien in Arbeitslager gesteckt wurden? Ich glaube nicht!“

Kritiker behaupten auch, Kim selbst habe diese Vorwürfe inszeniert, damit er im Westen als richtiger Mann und Politiker wahrgenommen wird.

Heute Vormittag formierte sich auch flächendeckend Protest. In mehreren Städten des Landes gingen Menschen auf die Straßen. Es sind die größten Demonstrationen gegen Kim Jong-un seit letzter Woche.

(BSCH/Foto: By Robert2004Own work, CC BY-SA 4.0, Link)

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