Mehrheitliches „Ja“ für autoritäres Führersystem: AfD entdeckt Türken in BRD als Wählerschicht für sich

18. April 2017 ·

Berlin (EZ) | 18. April 2017 | Fast zwei Drittel der Türken in Deutschland haben am Sonntag für ein autoritäres Staatssystem in der Türkei gestimmt. Führende AfD-Politiker sehen in dieser Gruppe nun eine bisher vernachlässigte Wählerschicht für die Partei. 
Vorstandsmitglied Alexander Gauland hat die Ergebnisse des Referendums analysiert und schreibt in einer Mail an die AfD-Spitze von einem „riesigen Potenzial“ für die Partei, das es zu nutzen gilt. „Mehr als 64% der hier lebenden wahlberechtigten Türken haben vorbehaltlos und offenbar ohne zu hinterfragen für einen autoritären, lügenden, hetzenden und nur auf sich und seine Partei schielenden Mann gestimmt“, heißt es in Gaulands Schreiben. „Dieses Potenzial müssen wir abschöpfen!“

„Wer so sehr für die bescheuertsten Ideen offen ist, sollte uns doch erst recht wählen“, mutmaßt Gauland. Diese ultrakonservative Wählergruppe müsste man auch nicht übermäßig überzeugen, ist sich Gauland sicher. „Da reichen wohl eine große Portion Nationalismus und völkische und ausgrenzende Parolen. Und wenn wir dann noch Merkel beschimpften, hätten wir die Stimmen der Türken in Deutschland sicher.“



Andere Vorstandsmitglieder sind ebenfalls voller Euphorie nach der Abstimmung. Beatrix von Storch fordert bereits, diese sich „ganz offensichtlich für maßlose Übertreibungen und haltlose Anfeindungen“ begeisternde Gruppe gezielt anzusprechen. „Als erstes sollten wir sie dazu bringen, für ein allgemeines Wahlrecht in Deutschland zu demonstrieren“, sagt sie. „Sie sollten fordern, auch schon zur Bundestagswahl  ihre Stimmen abgeben zu dürfen.“ Damit könnte man einerseits die Wut der deutschen Kernklientel weiter anstacheln, die das Wahlrecht für Ausländer kritisch sieht; andererseits würde man die Tür öffnen für die große Gruppe der autoritär orientierten Türken. „Eine sehr gute ‚Win-Win-Situation‘ für uns“, freut sich von Storch.

Parteisprecherin Frauke Petry wurde nicht gefragt, wird sich aber im Laufe des Tages wohl ebenfalls äußern.

(JPL/Foto: Voice of America; gemeinfrei – Quelle hier)



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