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Fall Yücel: Merkel unsicher, ob sie sich im Wahljahr mit Erdogan oder mit Axel Springer anlegen soll

1. März 2017 ·

Berlin (EZ) | 1. März 2017 | Deniz Yücel ist seit mehr als zwei Wochen in der Türkei inhaftiert, aber noch immer steht eine wichtige Entscheidung aus: wird sich Bundeskanzlerin Angela Merkel im Jahr der Bundestagswahl lieber mit dem türkischen Präsidenten anlegen oder wählt sie die Konfrontation mit dem Axel Springer Verlag?

Im Kanzleramt wird wild diskutiert: auf der einen Seite diejenigen, die meinen, dass die Kanzlerin stärker Partei für den Journalisten Yücel ergreifen und dafür einen Konflikt mit Erdogan in Kauf nehmen sollte. Und auf der anderen Seite die Stimmen, die sagen, man sollte sich nicht zu sehr in die Angelegenheiten der Türkei einmischen, denn der Axel Springer Verlag – für deren Zeitung Die Welt Deniz Yücel aus der Türkei berichtet – sei ein leichterer Gegner.

In dem Verlag erscheinen unter anderem die BILD, Die Welt und die B.Z., außerdem gehört der Nachrichtensender N24 zu dem Medienkonzern.

„Das ist nicht einfach“, sagt ein Kanzleramtsminister, der lieber anonym bleiben möchte. „Wenn wir uns zu sehr für Herrn Yücel einsetzen, haben wir Präsident Erdogan am Hals. Und das ist echt nicht schön, dann drohen uns vielleicht wieder Flüchtlingsströme. Wenn wir uns dagegen nicht für Herrn Yücel einsetzen, haben wir die BILD am Hals. Aber im anstehenden Bundestagswahlkampf kann man es sich eigentlich auch nicht leisten, sich Axel Springer zum Feind zu machen.“ Er selbst habe der Kanzlerin empfohlen, sich nicht weiter zu äußern und abzuwarten, was passiert.

Andere Berater plädieren klar für die Konfrontation mit der Türkei. Es sei an der Zeit, sich nun unmissverständlich pro Menschenrechte, Pressefreiheit und Rechtsstaatlichkeit zu positionieren und Erdogan damit endlich in die Schranken zu weisen. Außerdem dürfe man die Macht von Axel Springer nicht unterschätzen.

Mit dieser Strategie allerdings, warnen andere, werde die Bundesregierung einen wichtigen Verbündeten im Kampf gegen den Terror verlieren und sich womöglich dauerhaft Erdogan zum Gegner machen. „Schwierig, schwierig“, heißt es in einer internen E-Mail.

(BSCH/Foto: By Armin Linnartz, CC BY-SA 3.0 de, Link)

 


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