„Viel zu harte Wortwahl“: ZDF verbannt Merkel-Interview ins Nachtprogramm

17. August 2015 ·

Wirklich nichts für schwache Nerven: Angela Merkels Wortwahl im Sommerinterview.
Wirklich nichts für schwache Nerven: Angela Merkels Wortwahl im Sommerinterview.

Mainz (EZ) | 17. August 2015 | Das hat gesessen: „Gewalt gegen Flüchtlinge ist unseres Landes nicht würdig“ sagte Kanzlerin Merkel nach Monaten des Schweigens im ZDF-Sommerinterview. Deutliche Worte, die viel zu hart sind. Künftig wird Merkel nur noch im Nachtprogramm laufen.
Ihre ganze Verachtung für Angriffe auf Flüchtlingsheime, körperliche und verbale Attacken gegen Asylsuchende und rassistische Kommentare im Netz hat Angela Merkel im gestern ausgestrahlten Sommerinterview mit dem ZDF in nur einem Satz zum Ausdruck gebracht, der wie ein Schlag ins Gesicht der Kritisierten wirkte: „Gewalt gegen Flüchtlinge ist unseres Landes nicht würdig.“ Zum Glück kam danach nicht noch mehr zu der Thematik.

Man merkte, die Regierungschefin hat sich in all den Monaten nur nicht zu diesem immer größer werdenden Problem geäußert, weil sie wusste, dass ihre Worte extrem hart ausfallen würden. Nun hat sie sich ganz offensichtlich auch im Urlaub, aus dem sie letzte Woche wiederkehrte, noch immer nicht beruhigen können. Das Thema brennt ihr unter den Nägeln, das merkte man gestern am frühen Abend im Zweiten Deutschen Fernsehen.



Die Kritik an ihrer extremen Wortwahl ließ nicht lange auf sich warten. Schauspieler Til Schweiger empörte sich: „Sie ist immerhin die Bundeskanzlerin, da täte etwas Zurückhaltung vielleicht ganz gut“, schrieb er auf Facebook. Er räumte aber ein, dass Merkel in der Sache Recht hätte. „Dennoch wäre ich froh gewesen, wenn sie die Asylkritiker nicht ganz so hart angegangen hätte.“

Auch viele andere befürchten, dass die von Merkel Angesprochenen nun gänzlich dicht machen würden. „Nach so einer verbalen Attacke von der Merkel sagen die sich doch: Nee, wer mich derart hart kritisiert, mit dem rede ich nicht mehr,“ sagte Linkenchef Bernd Riexinger.

Das ZDF sieht ein, dass sie zu so früher Stunde – dann auch noch direkt im Anschluss an die Nachrichtensendung „Heute“ – das Interview besser zensiert hätten. „Zumindest hätten wir auf die explizite Sprache hinweisen müssen, damit Kinder und Jugendliche das nicht hören mussten,“ so ein Sprecher. Dabei sei das ZDF seit einiger Zeit sogar im Besitz einer sündhaft teuren Anlage, die unerwünschte Wörter überpiepen könne.



Das Interview wurde mittlerweile aus der Mediathek entfernt. Es wird nun entsprechend bearbeitet und sei dann nur noch nachts abrufbar.

(JPL/Foto: Screenshot Facebook/ZDF Heute)

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