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„Charlie Hebdo“-Attentäter bedauern ihre Tat, nachdem ihnen jemand die Witze erklärt hat

"Es ist hart, von Idioten geliebt zu werden," sagt der Prophet in diesem Cartoon, der 2006 von Charlie Hebdo veröffentlicht wurde. "Eigentlich wirklich komisch," sagen jetzt die Attentäter.


Paris (EZ) | 8. Januar 2015 | Die mutmaßlichen Attentäter, die gestern in Paris die Redaktion der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ auslöschten, bedauern mittlerweile ihre Bluttat. „Jemand hat uns gestern Nacht die Mohammed-Witze der Zeitschrift erklärt, und jetzt müssen wir furchtbar über uns selbst lachen,“ so einer der beiden.

„Heute, einen Tag später, muss ich sagen, dass wir da vielleicht etwas überreagiert haben,“ so Said Kouachi lachend, einer der beiden Verdächtigen. „Auf der Flucht gestern Abend kamen wir mit einem freundlichen Mann ins Gespräch, der uns die Mohammed-Karikaturen erklärte.“ In den letzten Jahren hatte „Charlie Hebdo“ immer wieder sarkastische Bildwitzchen über Islamisten und den Propheten Mohammed veröffentlicht; diese Cartoons stießen nicht überall auf Wohlwollen und waren der Auslöser für den Anschlag gestern in Paris.



„Jetzt müssen wir uns wohl entschuldigen, was?“, so Saids Bruder, Cherif Kouachi, der noch immer herzhaft über einen der Cartoons lacht. „Da schlägt der Prophet die Hände vors Gesicht und sagt, dass es hart ist, von Idioten geliebt zu werden! Ich habe das damals überhaupt nicht richtig verstanden, aber das ist bei Licht betrachtet echt ulkig. Es ist ja so wahr!“ Said pflichtet ihm bei: „Nach der Attacke gestern und jetzt, wo ich den Witz verstanden habe: das war schon ziemlich idiotisch von uns!“

Selbstironisch fügt er hinzu, dass sie sich vielleicht jetzt bei Mohammed entschuldigen sollten. In dem Moment bleibt ihnen das Lachen kurz im Halse stecken, denn sie wissen, was ihnen als Mehrfachmördern nach dem Tod droht. „Aber das ist jetzt ja auch egal, haha!“, so Said. „Vielleicht gibt es ja mittlerweile eine spezielle Hölle für muslimische Idioten, wo den Trotteln immerzu väterlich auf die Schulter geklopft wird,“ sagt sein Bruder.

Cherif und Said schämen sich ein bisschen, dass sie scheinbar die letzten auf der Welt waren, die die Satire von „Charlie Hebdo“ nicht verstanden haben. „Das ist schon ein blödes Gefühl, irgendwie. Wir stehen ja jetzt wie die letzten Deppen da!“ Eigentlich wollten sie heute weiter fahren, um in Dänemark ein „paar Zeitungen aufzumischen“. „Aber, hihi,“ so Said, „das wäre ja irgendwie schon wieder eine Pointe, mit der wir den Moslemkritikern Futter geben würden.“ „Und das wäre ja wieder eine Pointe, nicht wahr?“, sagt Cherif und beide lachen.

Der Cartoon ist von Cabu„dem besten Journalisten Frankreichs“

(JPL/Foto: Cabu († 7. Januar 2015 in Paris) //Charlie Hebdo)