FIFA-Korruptionsermittler sind „sehr enttäuscht“ von fehlender Korruption in der FIFA

Zürich (EZ) | 14. November 2014 | Die von der FIFA ernannten Korruptionsermittler äußern sich schwer enttäuscht von der FIFA. Sie erklärten, den Auftrag vor allem angenommen zu haben, weil sie enorme geldwerte Vorteile erwarteten.

Die Freude war groß bei dem Ermittlerteam um Michael Garcia, als sie die Ermittlungen zu den Weltmeisterschaften 2018 und 2022 übernehmen sollten. Nun jedoch sitzt die Enttäuschung tief. Nicht nur, dass bei der Vergabe der Fußballweltmeisterschaften nach Katar und Russland ganz offenbar alles mit rechten Dingen vor sich ging, jetzt müssen die FIFA-Sonderermittler auch noch damit leben, mit weit weniger Geld als erhofft auszukommen.



Einer der Ermittler sagte, er habe den Job angenommen, um möglichst rasch sein Haus am Zürichsee abzahlen zu können. „Ich dachte schon, als der Anruf damals kam: Wow, das wird lukrativ! Schließlich hat die FIFA in der Hinsicht einen gewissen Ruf.“ Nun aber muss er die Raten für die Villa wider Erwarten doch ohne „die gewisse Unterstützung“ von „Freunden“ stemmen. „Ich dachte eigentlich, im Vorfeld bei den Gesprächen mit den Verantwortlichen mehrmals deutlich gemacht zu haben, dass ich ein noch unbezahltes Haus habe und dass man mit mir über wirklich alles reden kann.“ Um seinen Worten Ausdruck zu verleihen, habe er wiederholt und „sehr deutlich“ seinen Gegenübern zugezwinkert. „Aber da passierte irgendwie gar nichts.“

Einer seiner Kollegen, der fest mit einer von der FIFA gesponserten Weltreise rechnete, erzählt Ähnliches. „Wir saßen da so in diesem riesigen Glaspalast, reden so ganz normal, und ich erwähnte beiläufig, dass ich gewisse Begriffe mitunter anders definieren kann. Und dass ich gerne mal mit meiner Frau auf eine zehnmonatige Weltreise gehen würde und Luxusressorts nicht abgeneigt bin.“ Aber auch hier: nichts passierte. „Kein Umschlag, keine Einladung, nur das vereinbarte Honorar kam pünktlich. Was soll denn das?“

Der gute Name von FIFA-Chef Joseph Blatter sei für das Team nun dahin. „Wenn wir uns nicht einmal mehr auf den angeblich korruptesten Menschen der Welt verlassen können, auf wen denn dann?“



Zu doof zum Lesen? Hören Sie hier die neueste Nachrichtensendung aus unserem Hause:

(JPL/Foto: „FIFA-Headquarter-Entrance“ by MCaviglia www.mcaviglia.ch – Own work. Licensed under CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons.)