Deutschlands dritt- oder viertgrößtes Satiremagazin

E wie Wissen V

14. Juni 2014 ·

Wissen leicht vermittelt.

Redewendungen und ihre Bedeutung: jedes Wochenende erklären wir in leicht verständlicher Sprache Herkunft und weiteres Wissenswertes über gebräuchliche Phrasen der deutschen Sprache. Heute: “An die Decke gehen” und “Halt die Ohren steif”.

An die Decke gehen

Sie sind so richtig wütend, jemand hat Sie wirklich aufgeregt? Ihr Auto wurde – mal wieder – abgeschleppt, oder der Sohnemann hat – mal wieder – das Nutella-Glas geleert und nicht für Nachschub gesorgt? Ja, dann könnten Sie doch wirklich “an die Decke gehen”, nicht wahr? Aber halt! In solchen Momenten lohnt es sich, kurz inne zu halten und sich zu fragen, woher dieser heute absolut gebräuchliche Ausdruck eigentlich kommt.

Forscher gehen davon aus, dass Menschen schon seit mehr als dreihundert Jahren sprichwörtlich an die Decke gehen. Erstmals erwähnt wird der Ausdruck in einem Gedicht des weitgehend unbekannten und aus heute nicht nachvollziehbaren Gründen erfolglosen Dichters Johannes von Herford. In seinem Meisterwerk “Der Sommer ist da” heißt es:

 

“[…] Da sehe ich doch etwas, was mich erzürnet,

Wahrlich sonderbar – mein Weibe im Felde

Bei dem Nachebarn in lustvollem Gebälge!

Da haut es mich um, ich nun zornesrot,

ich gehe an die Decke zu dem Gestöhne,

Worunter sich befindet, so dachte ich,

Meine Gattin mit dem Ehebrecher!

Doch zu meinem Glücke – und zu deren Entlastung –

Finde ich dort unter der Decken –

Nur harmloses Gespiel zweier Jungen.

Ich geselle mich dazu, entkleide mich rasch.

Wir lachen, streicheln, küssen, liebkosen uns,

Der Pfarrer kommt hinzu, und seine Frau,

Bald auch der Metzgermeister und sein Neffe!

Wie Gott uns schuf wonnen wir uns beisammen

Auf daß es nur so lechzt und schlabbert,

[…]”

Der Dichter selbst blieb zu Lebzeiten eher belächelt; aber sein Ausdruck “An die Decke gehen” machte bald die Runde und ist heute ein sehr gebräuchliches Sprichwort.

Halt die Ohren steif

Den Ausdruck „Halt die Ohren steif“ kennt wohl jeder. Man benutzt ihn oft zur Verabschiedung und er bedeutet so viel wie „Bleib gesund“ und „Machs gut!“.

Doch haben Sie gewusst, dass die Redensart ursprünglich von den Kaninchen abstammt?

Tatsächlich neigen Kaninchen dazu, ihre Ohren bei Gefahr anzuspannen, oder „steif“ werden zu lassen. In dieser Haltung erkennen sie frühzeitig, wenn sich ein Feind nähert und können rechtzeitig flüchten.

Bereits in den frühen 20er Jahren des 18. Jahrhundert sollen sich Kaninchen untereinander mit dem Ausspruch „Halt die Ohren steif“ verabschiedet haben. Wir Menschen haben die Redewendung schließlich im Laufe der Jahre übernommen. Angeblich war es ein Wanderer aus der Eiffel, der den Ausspruch Anfang des 20. Jahrhunderts bei den Kaninchen aufschnappte.

Nächsten Samstag klären wir Sie über die Redewendung “Grün vor Neid werden” auf!

E wie Wissen IV – “Halt die Luft an” und “Mach Dir mal nicht ins Hemd”

E wie Wissen III – “Da wird der Hund in der Pfanne verrückt” und “Jemanden hinters Licht führen”

E wie Wissen II – “Mein lieber Herr Gesangsverein” und “Etwas in den falschen Hals bekommen”

E wie Wissen I – “Zu Potte kommen” und “Auf die Kacke hauen”


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