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Kulturrevolution: Moderne Kunstwerke laut Experten im Alltag benutzbar

Lange hat die Kunstwelt überlegt, was mit dem Pissoir von Marcel Duchamp anzufangen ist.


Berlin (EZ) | 3. Juni 2014 | Sinnlose Kunst? – Das war einmal! Immer mehr Sammler, Kunstwissenschaftler und Kenner kommen zu der Erkenntnis, dass die meisten modernen Kunstwerke im Alltag praktisch eingesetzt werden können. So seien zum Beispiel die Staubsauger von Jeff Koons durchaus zum Staubsaugen zu gebrauchen.

Der Kunsttheoretiker Prof. Dr. Hugo Salbad erklärt: „Man will Kunst nutzbar machen, um sie vor dem Verstauben in den Vitrinen zu retten.“



Beispielsweise könne man viele konzeptuelle Exponate, mit denen man früher nichts anzufangen wusste, in einem ganz gewöhnlichen Haushalt unterbringen. „Die Staubsauger von Jeff Koons sind tatsächlich zum Staubsaugen geeignet. Eine Hausapotheke, wenn auch etwas überteuert, liefert Damien Hirst. Die kleine Wanne von Joseph Beuys kann als Waschbecken dienen – etwa zum Rasieren, wobei man sich mit dem originalen Rasierschaum von Michel Blazy verwöhnen darf. Was mit dem Pissoir von Marcel Duchamp anzustellen ist, brauche ich Ihnen ja nicht en détail zu erläutern.“

Diese Idee könnte, so Prof. Salbad, in den nächsten Jahren für alle moderne Kunst richtungsweisend werden. Die Documenta 2017 soll ganz im Zeichen des praktischen Gebrauchs stehen. Die Besucher können dann in Kassel die neuesten Arbeiten ihrer Lieblingskünstler selbst ausprobieren und bei gegebener Kaufkraft sofort mitnehmen.

Einige große Konzerne haben sich schon jetzt dazu bereit erklärt, in ausreichender Zahl kostengünstige Replikate der Kunstobjekte herzustellen. Die replizierten Produkte – elektronische Geräte, Haushaltsartikel und Möbel – brauchen dann nur noch von den Schöpfern signiert zu werden und können sofort in den Verkauf gehen. Der Pressesprecher der weltweit wichtigsten Kunstausstellung bezeichnete dies als „revolutionären Wendepunkt für die Geschichte der Documenta und für das Verhältnis zwischen Kunst, Alltag und Industrie überhaupt“.

Unklar bleibt allerdings, wie diese Tendenz auch in anderen Künsten wie etwa Musik oder Tanz verwirklicht werden kann. Bei Performancekünstlern wäre immerhin daran zu denken, dass sie Alltagsarbeiten verrichten, sagte Prof. Salbad. Moderne Lyrik sei hingegen nach wie vor zu nichts zu gebrauchen.

(Alexander Estis)

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