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Umweltbewusste Kunstmuseen: „Wir kaufen nur noch Schrott!“

Die Hamburger Kunsthalle hat sich zusammen mit anderen Institutionen der Mülllagerung verpflichtet.


Frankfurt a. M./ Hamburg (EZ) | 17. April 2014 | Kunstmuseen als eine Lösung des Abfallproblems – früher hätte man solche Parolen als Ausdruck boshafter Diffamierung und kulturpessimistischer Arroganz verstanden. Doch heute bekennen sich immer mehr renommierte Ausstellungsräume offen zu diesen Worten. Unter dem Slogan „Kunstmuseen für die Umwelt!“ schlossen sich nun einige der bedeutendsten deutschen Museen zusammen, um einen aktiven Beitrag zum Umweltschutz zu leisten.

Die Initiative ging vom MMK Frankfurt aus und wurde zunächst von der Hamburger Kunsthalle, später auch von anderen Museen bereitwillig aufgegriffen. Der Sprecher des Kuratorenteams der Hamburger Kunsthalle erklärte, man kaufe ohnehin seit Jahren fast nur noch Schrott ein – es sei nun an der Zeit, es offiziell zu machen.



„Kunst darf sich nicht immer um sich selbst drehen, sich gegenüber der Welt da draußen verschließen und Selbstzweck sein,“ so der Sprecher. „In Tagen globaler ökologischer Probleme müssen auch die Museen ihren Beitrag zur Schonung unseres Planeten leisten. Schon längst haben sich die meisten verantwortungsvollen Museumsdirektoren dieser Politik verschrieben, aber man traute sich bislang nicht, es offen auszusprechen und den eingeschlagenen Kurs radikal zu verfolgen. Jetzt können wir uns eindeutig positionieren und ankündigen, dass wir unser Programm ganz strikt an diesem Prinzip ausrichten werden. Wer, wenn nicht wir?“

Kunstmuseen besäßen doch riesige Ausstellungs- und Lagerflächen. Da sei es „geradezu ein Verbrechen, diese nicht im Sinne des Umweltschutzes nutzbar zu machen. Und was kommt dem Umweltschutz mehr zugute als professionelle Lagerung von Abfällen?“

Gemischte Reaktionen rief die Initiative indes unter den Künstlern hervor: Während einige sich darüber besorgt zeigten, dass ihre müllwertige Produktion möglicherweise keinen Absatz mehr finden würden, schienen andere nicht nur angetan von diesem neuen Programm, sondern äußerten sogar den Wunsch, sich als Müll-Lieferanten zu engagieren. Für einen Gutteil der Kunstschaffenden bedeutet dieses neue Metier letztlich nur eine Erweiterung ihrer Tätigkeit – über das gewohnte Leergut hinaus.

Der Begriff „Kunstsammler“ erhält so eine ganz andere Dimension. Auch die Frage „Ist das Kunst oder kann das weg?“ dürfte infolge dieser Entwicklungen bald kein Dilemma mehr darstellen.

(Alexander Estis /Foto: Pedelecs auf wikivoyage shared [bearbeitet; CC BY-SA 3.0]) 

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