„Fehleranfällig und kostspielig“: Deutsche Bahn will Passagiere wegrationalisieren

1. Februar 2014 ·

Der Traum eines jeden Bahnmitarbeiters: eine leere Regionalbahn. Bislang ist das ein seltenes Bild.
Der Traum eines jeden Bahnmitarbeiters: eine leere Regionalbahn. Bislang ist das ein seltenes Bild.

Frankfurt/Berlin (EZ) | Die Deutsche Bahn will endlich den größten Unsicherheitsfaktor im Bahnverkehr loswerden: Mit dem nächsten Fahrplanwechsel will sie sich komplett von den teuren und fehleranfälligen Passagieren trennen.

Der Chef der Deutschen Bahn, Rüdiger Grube, will endlich schaffen, was all seinen Vorgängern nicht gelungen ist und sich vollständig von den Fahrkunden lösen. Das sagte Grube in einem Interview mit dem FOCUS.



Die Passagiere seien der mit Abstand größte Unsicherheitsfaktor der DB, sagte Grube. „Sie kommen zu spät zum Gleis, weil sie sich noch etwas zu essen kaufen, behindern damit die pünktliche Abfahrt des Zuges, kleckern die Sitze mit Kaffee voll, bringen Schmutz und Unrat in die Gänge und auf die Sitze – all das kostet jedes Jahr Milliarden!“

Auch Verkehrsminister Alexander Dobrindt hat in einem Gespräch mit Grube und der Konzernführung gefordert, den überteuerten Faktor Passagier endlich aufs Abstellgleis zu stellen. Im Zuge des noch immer geplanten Börsenganges sei dies der wichtigste Schritt, um sich profitabel aufzustellen, heißt es aus Dobrindts Ministerium.

Bereits Grubes Vorgänger Hartmut Mehdorn hat seinerzeit versucht, die Passagiere loszuwerden – mit nur mäßigem Erfolg. Mehdorn setzte auf Abschreckung und erhöhte in immer kürzeren Abständen die Ticketpreise und verringerte die Taktzeiten viel befahrener Strecken; jedoch ohne dass diese Maßnahmen zu einem nennenswerten Rückgang der Passagiere führten.



Grube will es nun radikaler angehen. In den kommenden Wochen werden zunächst Pendler und Vielfahrer die Kündigung erhalten, die zum Fahrplanwechsel im Dezember wirksam wird. Schüler sollen noch schneller aus den Zügen verschwinden, besonders sie halten vielfach den Betrieb auf und verursachen damit hohe Kosten.

Was dann aus den zuglosen Passagieren werden soll, ist noch unklar. „In einer rationalisierten Welt sind sie ohnehin schon heute ein Relikt aus längst vergangenen Tagen,“ heißt es herzlos aus der DB-Zentrale. Wahrscheinlich werden sich regionale Auffanggesellschaften gründen, die die Passagiere zu günstigeren Konditionen aufnehmen.

(JPL/Foto: Jivee Blau [cc by-sa 3.0]

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