Nach Urteil des Bundesarbeitsgerichts

Arztpraxen richten 2., 3., 4. und 5. Wartezimmer ein

Erfurt (EZ) | 16. November 2012 | Nach dem Urteil des Bundesarbeitsgerichts, wonach Arbeitgeber schon ab dem ersten Krankheitstagtag ein Attest ihrer Mitarbeiter verlangen dürfen, haben die ersten Arztpraxen bereits damit begonnen, die Anzahl ihrer Wartezimmer großzügig aufzustocken.

Dass Arbeitnehmer erst ab dem dritten Krankheitstag ein ärztliches Attest vorlegen müssen, ist in vielen Betrieben zwar allgemein üblich, aber keineswegs vorgeschrieben.
Dies entschied am Mittwoch das Bundesarbeitsgericht in Erfurt und bestätigte damit die geltende Rechtslage.

Da viele Mediziner nun fürchten, dass Patienten, die krank sind oder einfach bloß blau machen wollen, von nun an nicht mehr erst nach dem dritten Tag den Arzt konsultieren, haben bundesweit bereits zahlreiche Gemeinschaftspraxen damit begonnen, weitere Wartezimmer anzubieten.

"Wir haben so schon täglich eine volle Bude", klagt ein Allgemeinmediziner aus Gütersloh. "Wenn nun all jene noch dazukommen, die uns eigentlich erst nach drei Tagen aufsuchen - nämlich dann, wenn sie ein Attest benötigen - dann kann man sich ja denken, was hier los ist."

Es wird bereits vermutet, dass ein zweites Wartezimmer allein nicht ausreichen wird. Darum kündigen viele Ärzte an, bis zu fünf solcher Warteräume für Patienten errichten zu wollen.

Denkbar wäre, diese Zimmer entsprechend den Patientengruppen zuzuordnen, wie Dr. Michael Seifert, Internist aus Bielefeld, erklärt. "Wartezimmer 1 könnte dann für alle Arbeitnehmer sein, die lediglich eine Krankmeldung brauchen, Wartezimmer 2 für jene, die dazu auch noch wirklich krank sind, Wartezimmer 3 wiederum für die, die krank sind, aber kein Attest benötigen, Wartezimmer 4 für Privatpatienten und Wartezimmer 5 für alle Senioren, die einfach bloß quatschen wollen."

(JME/ Foto: Geof Sheppard [CC BY-SA 3.0])
Ein WartezimmerEin ohnehin schon äußerst ungewöhnliches Bild: Ein leeres Wartezimmer. Zukünftig wollen Arztpraxen gleich mehrere Warteräume für ihre Patienten anbieten.



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